Forschungsfragen#

In diesem Buch geht es v.a. um die Darstellung und Erläuterung digitaler Methoden im Forschungsprozess einer Textwissenschaft, die sich mit einer sehr langen Überlieferungsgeschichte konfrontiert sieht. Die lateinsichen und altgriechischen Texte liegen in Handschriften und Drucken vor, müssen also häufig erst digitalsiert werden, bevor sie mit digitalen Methoden philologisch, linguistisch oder literaturwissenschaftlich untersucht werden können.

Meta-Forschungsvorhaben#

Das Meta-Forschungsvorhaben zielt darauf ab, anhand einer übrschaubaren Fallstudie den gesamten digitalen Forschungsprozess vorzuführen und dabei ein möglichst umfassendes Bild des Werks In Ciceronem herauszuarbeiten. Dazu werden keineswegs alle denkbaren Methoden herangezogen, sondern nur diejenigen, die die Forschungsinfrastruktur Daidalos selbst auch bereit stellt. Es besteht also nicht der Anspruch auf Vollständigkeit. Genausowenig wird es möglich sein, ein in sich vollkommen konsistentes Bild der ausgewählten Invektive zu zeichnen. Dennoch soll ein Beitrag zu einem umfassenderen Verständnis der als pseudosallustisch bezeichneten Schrift geleistet werden. In diesem Zuge werden drei Forschungsgebiete eine zentrale Rolle spielen: Autorschaft, Genre und Intertextualität.

Forschungsfragen#

Autorschaft#

Im Kern ist nicht mehr umstritten, dass die Invektive nicht von Sallust verfasst wurde, obwohl sie bei Quintillian als sallustisch bezeichnet wird und sie (demzufolge) überwiegend in Sallust-Handschriften überliefert wurde. Dennoch gab es lange - insbesondere in Deutschland - Befürworter einer Sallust-Autorschaft. Neben dem Vertrauen auf das Urteil Quintillians scheint bzw. schien es einigen Forschern schlichtweg unmöglich zu sein, zu akzeptieren, dass ein kurzweiliges, aber wenig tiefgründiges Werk überlebt hat, ohne dass etwas Genaueres zum Autor oder zum Abfassungskontext explizit dokumentiert ist.

Die offensichtliche Unklärbarkeit der Autorschaftsfrage bringt Otto Seel 1966, der sich lange mit Sallust und den drei dubia Sallustina (neben der Invektive die zwei Caesar-Briefe) befasst hat, pointiert auf den Punkt:

“Wer die Invektive geschrieben hat, wann und zu welchem Zweck er sie geschrieben hat, wird nie anders als durch mehr oder minder plausible und phantasievolle Vermutungen ausdenkbar, kaum je aber zu beweisen oder doch wenigstens in einer Hypothese, welche allgemein gebilligt würde, ansprechbar sein.”[Seel, 1966, 91f.]

Auch wenn das Diktum bis zu einem gewissen Grad gültig bleiben wird, besteht zumindest die Möglichkeit, der Autorschaftsfrage noch einmal mithilfe digitaler Methoden nachzugehen. Dabei ist von größerem Interesse, ob und wie sehr der Stil der Invektive dem Stil Sallusts nahekommt, weil dies etwas über die Qualität der imitatio und damit ggf. auch etwas über das Wissen verrät, dass der imitator haben musste, um sogar Quintillian zu täuschen.

Genre#

Invektive als Tadelrede (psogos) mit dem Ziel der “Bekehrung”, als Hassrede mit dem Ziel des Erniedrigens, als negative Schablone für die eigene positive Darstellung des Redners, …

Merkmale einer Invektive

Ironie, rhethorische Fragen, Anreden, Topik, spezifische Diskursstruktur

Frage: Worin unterscheidet sich eine Invektive von anderen Redeformen?

Merkmale einer declamatio

stilistische Nachahmung, Rhetorikunterricht

Frage: Was macht eine gute declamatio aus?

Sammlung von declamationes als antikes “Lehrbuch”

Frage: Was verrät eine Sammlung von Deklamationen über die intendierten Lernziele?

Intertextualität#

lat. und griech. Bezüge

Zitate und Paraphrasen

Testimonia für was?

Frage: Welche Zitate und Paraphrasen aus In Ciceronem sind in der antiken Literatur zu finden?

Motive des “Schmähens”

Vorbilder und Nachfolger, Motivcluster, Konzept “tadeln” und “schmähen”