Basisinformationen#
Gattung#
Bei In Ciceronem handelt es sich um eine Rede des Typs Invektive. …
Anlass der Rede#
Außerhalb des kurzen Prologs gibt es keine Informationen zum Anlass der Rede, i. e. eine Antwort auf eine vorausgegangene Schmährede zu geben (Graviter et iniquo animo maledicta tua paterer, M. Tulli, […], Cic. 1). Ein Selbstverweis auf den Autor fehlt völlig.
Der Verfasser der Invektive entwirft ein Cicero-Bild, das neben bekannten Vorwürfen (homo novus, Selbstüberschätzung) vor allem seine politische Unzuverlässigkeit (levissime transfuga neque in hac neque in illa parte fidem habens, Cic.7) aufgreift. Hier könnte man versucht sein, einen Anachronismus wahrzunehmen, da sich die Frage stellt, ob 54 v. Chr. dies bereits ebenso zutraf wie mit einem Blick auf Ciceros gesamtes Leben.
Ziel der Rede#
Als Invektive zielt die Rede auf die Verunglimpfung Ciceros ab. Es wird suggeriert, der Verfasser revanchiere sich bei Cicero für eine Rede, die Cicero im Senat gegen ihn selbst gehalten habe. Dabei wird Cicero privat und politisch als amoralisch, rückgratlos und tyrannisch dargestellt.
Aufbau der Rede#
Grundsätzlich lässt sich die mit etwas über 700 Wörtern sehr kurze Rede In Ciceronem in
einen Prolog (1. Kapitel),
eine Narratio (Kapitel 2 bis 6) und
einen Epilog (7. Kapitel) unterteilen.
Zeitliche Einordnung#
Es gibt keine eindeutige zeitliche Zuordnung, da die vorkommenden Personen und Ereignisse mit einem soliden Basiswissen zu Ciceros Leben erklärt werden können. Unabhängig davon wurde die Invektive im Rahmen einer (im deutschen Sprachraum) Jahrzehnte anhaltenden Echtheitsdebatte - Sallust als Autor? - intensiv hinsichtlich vorhandener, zeitgenössischer Bezüge analysiert, um sie zeitlich verorten zu können. Auf dieser Grundlage wurde schließlich das Datum der Rede mit Herbst 54 v. Chr. festgesetzt. Da es inzwischen als allgemein anerkannt gilt, dass Sallust nicht der Autor der Rede ist, handelt es sich dabei um ein fiktives Datum.
Echtheitsdebatte#
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Mehrheitlich besteht kein Zweifel, dass es sich um eine declamatio, d. h. eine Übungsrede, handelt - vermutlich spätaugusteisch oder frühes 1. Jh. n.Chr.