Kompetenzrahmen#

Fachübergreifend umgesetzter Kompetenzrahmen#

Die Sichtung der bildungspolitischen und bildungswissenschaftlichen Ansätze wurde in einem fachübergreifenden Kompetenzrahmen zusammengeführt, der insbesondere die Vorschläge von Carretero et al. [2017, 13ff.] und Miao and Cukurova [2024, 21 ff.] aufgreift. Für jede digitale Kompetenz werden generisch

  1. die Komplexität der Aufgabe,

  2. der notwendige Autonomiegrad und

  3. der kognitive Anforderungsbereich beschrieben.

Dimension Fortschrittskriterien
kennen lernen (Foundation) erwerben (Intermediate) vertiefen (Advanced) gestalten (Highly-specialised)
AI Literacy
  • einfache Aufgaben
  • mit Anleitung
  • wissen und verstehen
  • begrenzte Aufgaben und Probleme, Routineaufgabe
  • selbständig, bedarfsorientiert
  • anwenden
  • verschiedene Aufgaben und Probleme
  • andere anleitend
  • bewerten, transferieren
  • komplexe, vernetzte Aufgaben
  • neue Ideen einbringen
  • modellieren
Data Literacy
Digital Literacy

Wie dieser Kompetenzrahmen inhaltlich umgesetzt werden kann, zeigt das nachfolgende Beispiel. Als überfachlicher Gegenstand wurde das Thema Datenstrukturen gewählt, das in allen drei Literacies eine anders gewichtete Rolle spielt.

Beispiel: Datenstrukturen kennen lernen (unerfahren) erwerben (fortgeschritten) vertiefen (erfahren) gestalten (hochspezialisiert)
AI Literacy: Social Network Analysis Kanten und Knoten verstehen Maße anwenden: Relation, Distribution, Segmentierung Visualisierungen interpretieren Daten für SNA modellieren
Data Literacy: Graph Datenstrukturoptionen kennen geeignete Datenstrukturen verwenden Datenstrukturen anpassen eigene Datenstrukturen entwickeln
Digital Literacy: Ordner Unterschied Ordner und Datei; Dateien in Ordnern gruppieren Ordner strukturieren, Suche gezielt einsetzen Ordnerstrukturen nach Zielstellung anlegen oder optimieren automatisierte Erstellung und Zugriff auf Ablagestrukturen

Fachspezifisch umgesetzter Kompetenzrahmen#

Auf der Basis eines konkreten Anwendungsfalls aus der klassisch-philologischen Literaturwissenschaft wurde der entwickelte Kompetenzrahmen weiter verfeinert. Die zugrundeliegende Forschungsfrage latet:

Wie findet man Informationen in einem Korpus verschiedener antiker Historiker, die nicht explizit erwähnt werden?

In einem ersten Schritt werden aus historiographischen Texten der lateinischen und griechischen Antike alle Personen und Orte automatisch extrahiert (Named Entity Recognition, NER), um anschließend Textstellen für weitere Analysen (z. B. Sentiment) auswählen zu können.

Fall: Erwähnung hist. Ereignisse kennen lernen (unerfahren) erwerben (fortgeschritten) vertiefen (erfahren) gestalten (hochspezialisiert)
AI Literacy: NER NER-Konzept & sprachspezifisches Tagging verstehen NER-Ergebnisse vergleichen NER-Fehler systematisch evaluieren NER-Tagger durch Feedback verbessern
Data Literacy: Tagger & Annotationen Annotationen (was?) & Attribute (wie?) verstehen Annotationen interpretieren über Annotationen reflektieren Annotationen in HTML manipulieren
Digital Literacy: Datenformate zwischen DOCX & TXT unterscheiden DOCX nach TXT konvertieren Problematische Stellen in TXT identifizieren TXT nach Bedarf modifizieren

Auch wenn die vorgestellten Kompetenzrahmen zweigestuft erscheinen, d.h. von Digital Literacy nach AI Literacy sowie von unerfahren bis hochspezialisiert, ist dies nur der übersichtlichen Beschreibung in Form eines Kompetenzrasters geschuldet. Die eigentliche Modellierung operiert mit drei Kategorien und jeweils vier Kompetenzausprägungen.