# Forschungskompetenz

Der Begriff Forschungskompetenz hängt eng mit der Methode "Forschendes Lernen" zusammen. Vor allem im Kontext der Lehrkräftbildung wird seit Jahren gefordert, dass Lehrkräfte in ihrer Ausbildung auch Forschungskompetenz erwerben müssten. War dies früher eine implizite Selbstverständlichkeit, weil man in der Universität "zu forschen" lernte (oder zumindest lernen sollte), scheint die Diskussion um diese Kompetenz zu verdeutlichen, dass dem nicht mehr so ist. Die Curricula der zukünftigen Lehrkräfte unterscheiden sich i.d.R. nur in der berufsbezogenen Qualifikation; sie sollten demnach Grundlagen des Forschens ebenso erwerben können wie ihre _commilitones_. 

Forschungskompetenz ist in diesem Kontext zunächst einmal eine professionelle Handlungskompetenz. Die einen forschen mehr an fachlichen Grundlagen und deren Anwendung im Fach, während die anderen bspw. mehr zu Transfer und zur Anwendung im schulischen Kontext forschen. In jedem Fall handelt es sich bei Forschungskompetenz um eine Meta-Kompetenz, die fachliche, methodische und persönliche Kompetenzen so zusammenführt, dass Forschung erfolgreich geplant, initiiert, durchgeführt, evaluiert und abgeschlossen werden kann. 

In jedem Forschungsvorhaben sind Wissenstransfer und Metakompetenzen (oder: Metaaktivitäten) zur Steuerung des Forschungsprozesses essentiell. Damit greift die Modellierung von Forschungskompetenz aus der Didaktik stammende Kompetenzmodelle {cite:p}`beyer_kompetenzen_2021` auf, die für eine Kompetenz die Komponenten

- emotionales Wissen (Volition, Prozesstätigkeit: wollen), 
- prozedurales Wissen (Können, Prozesstätigkeit: automatisieren), 
- deklaratives Wissen (Wissen, Prozesstätigkeit: erwerben) und 
- exekutives Wissen (Metakognition, Prozesstätigkeit: steuern)

annehmen.

Das vor dem Hintergrund der Bildungsforschung erarbeitete kompetenztheoretische Modell greift vor allem zwei Vorarbeiten aus der digitalen Anwendungsforschung auf:

- <a href="https://tadirah.info/pages/Browser.html" target="_blank"> The Taxonomy of Digital Research Activities in the Humanities (TaDiRAH)</a> 
{cite:p}`borek_information_2021` und 
- das Datenkompetenzframework des Quadriga-Projekts {cite:p}`petras_quadriga_2025` 

Dieses Modell betont zum Einen die Perspektive auf die Forschungsaktivitäten, 
integriert allerdings auch den Datenfluss, der in den einzelnen Phasen des Forschungsprozesses
immer mitgedacht werden muss. Damit inkludiert es implizit digitale Konzepte, Methoden, Instrumente und Daten in das Konzept "Forschungskompetenz".

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    <figure>
        <img width=90% src="../_static/digital_research_competence.png">
        <figcaption>Digitale Forschungskompetenz: ein Zusammenspiel aus individuellen Voraussetzungen, deren
        Übertragung auf neue Anwendungsfälle und aus der Fähigkeit, den Forschungsprozess zu steuern.
        </figcaption>
    </figure>
</center>


Unter den Grundlagen bzw. den Voraussetzungen für jedes Forschungsvorhaben werden die Kompetenzen 
verstanden, die sich auf die Kompetenzdimensionen Fachkompetenz, Methodenkompetenz und 
Persönlichkeitskompetenz beziehen, wobei in der Darstellung dem weiter zu fassenden Begriff Strategie 
der Vorzug gegeben wird. Im Rahmen des Wissenstransfers müssen diese Grundlagen auf das jeweilige
Forschungsvorhaben übertragen werden, um den hier skizzierten Forschungsprozess 
durchlaufen zu können. Dem Forschungsprozess (und den Grundlagen) übergeordnet sind die Metakompetenzen,
die für den Wissenstransfer und die Steuerung des Forschungsprozesses essentiell sind. Die Fähigkeit 
zur Zusammenarbeit und zum Projektmanagement werden hier als _pars pro toto_ für mögliche weitere
Metakompetenzen wie Präsentation der Projekt-/Forschungsergebnisse genannt. 


